Baltische Staaten immer "europäischer"

Mit dem am 1. Mai 2004 erfolgten Beitritt der Baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen zur Europäischen Union musste ein Stück Geschichte umgeschrieben oder zumindest aktualisiert werden. Was bis dahin noch in den Sammelbegriff "Osteuropa" passte, muss nun bei "Europa" eingeordnet werden. Gemessen am kulinarischen Masstab wäre auch "Skandinavien" eine Alternative.

Tallinn, ein typisches Kurzreiseziel

Die estonische Hauptstand Tallinn spielt derzeit noch keine erste Geige im Bereich der Städtereisen,  setzt jedoch einen angenehmen Kontrast zu Kurzreisen in andere oder westliche Metropolen. Pluspunkt der  wichtigen Hafenstadt ist ihre  touristische Überschaubarkeit. Die schmucke und abwechlungsreiche Altstadt mit ihren schon mehrheitlich hübsch renovierten Häusern  ist kompakt und idyllisch und kann ohne grosse Stadtwanderungen genossen werden. Im Gegensatz zu vielen bekannteren osteuropäischen Städten entsprechen die Hotelpreise westlichen Vorstellungen und sind demzufolge moderat. Tallin präsentiert sich als angenehmes und interessantes Kurzreiseziel.
Tallin war bis anhin die wohl mit Abstand beliebteste Kurzreisedestination für Finnen, welche sich an einem Wochenende ausgelassen amüsieren wollten. Die Fähren zwischen Helsinki und Tallin konnten auf eine treue Kundschaft zählen, weil der Alkoholkonsum in Tallin im Vergleich zu Finnland „spottbillig“ war. Weil nun Finnland die  Alkoholsteuer massiv gesenkt hat, muss Estland zukünftig wohl auf den Alki-Tourismus verzichten, was für die nordische Hafenstadt aber höchstens wirtschaftlich ein Nachteil ist.
Obschon Tallinn eine eigentliche Hafenstadt ist,   kann sie diesem Namen doch kaum gerecht werden.  Wer den Hafen besucht,  fragt sich, wann dieser wohl die besseren Zeiten gehabt hat.  Beeindruckend sind die grossen, dort verkehrenden Fährschiffe dennoch. Weit attraktiver ist der historische und auch bemerkenswert gut erhaltene,  mittelalterliche Stadtkern.  Alte Wehrtürme und  stattliche Bürgerhäuser prägen das Bild.  Viele neu eröffnete Geschäfte,  Cafés und Restaurants   machen das Flanieren zum Vergnügen. Das Abheben zu kulinarischen „Höhenflügen“ gelingt eher selten, zu ungewohnt ist die lokale Küche. Komfortabel sind die renovierten Etagen der Hotels, angenehm der Aufenthalt in den anderen öffentlichen Räumen. In vielen der Hotels spielen nationale und internationale Live-Bands und in den Unterhaltungs- und auch den Tanzlokalen warten die vielen Stadtschönheiten geduldig und adrett aufgepoppt darauf,  zum Tanz aufgefordert und danach vielleicht zu einem Drink eingeladen zu werden.                                                                                                                wev

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Auch touristisch hat eine eigentliche Neuorientierung stattfinden müssen. Bis 2004 fanden sich diese Länder fast ausschliesslich nur in den Katalogen der Anbieter von Reisen nach Osteuropa und waren dort praktisch am Rande des grossen Angebotes "versteckt". Das hat sich aber geändert: Riga, Tallin, Vilnius, die drei Metropolen werden jetzt auch von grossen und bekannten Reisekonzernen neu lanciert, nachdem die früheren Versuche eher bescheidene Erfolge hatten.

Baltikum: Estland, Lettland, Litauen

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